Samstag, 19. August 2017

Die Achse des Bösen

Könnt ihr euch noch an den Begriff "Achse des Bösen" erinnern, unter welchem George W. Bush 2002 die sogenannten "Schurkenstaaten" Nordkorea, Irak, Iran und Syrien zu Gegnern der westlichen Welt und deren Werten ausgerufen hat? Hört man die Nachrichten heute, fühlt man sich verdammt an diese Ära erinnert. Mit einem kleinen Unterschied: Syrien als wunderbares Beispiel eines friedlichen und multikulturellen Zusammenlebens von Muslimen, arabischen Christen und Drusen sowie Kurden hat praktisch aufgehört zu existieren, der Irak zerfällt nach Abzug der westlichen Truppen und bürgerkriegsähnlichen Zuständen, und beide Länder sind inzwischen Heimat von IS, ISIL, Dschabhat al-Nusra, der Freien Syrischen Armee (FSA) sowie diverser Kurdenmilizen. Die Türken fühlen sich von der PKK bzw. der PYD bedroht, Russen und Chinesen unterstützen Assad, den die westlichen Länder und die USA gerne loswerden wollen, und Iran, Saudi-Arabien und Israel versuchen ebenfalls, ihre eigenen Interessen zu wahren. Leidtragende sind immer die Einheimischen selbst, die nun auf ihrer Flucht vor Gewalt und Zerstörung auch für uns zum Problem werden.
Hat sich in diesen 15 Jahren für irgendjemanden durch Bush's Kriegstreiberei etwas zum Positiven verändert? Ich glaube nein, wenn man von den gewissenlosen Geschäftemachern und Kriegsprofiteuren mal absieht, die ganz oft auch eine deutsche Firmenanschrift haben. Und doch haben wir mit Trump wieder denselben Typus an den Hebeln der Macht sitzen wie damals, noch dazu einen, der seine Emotionen nicht im Griff hat und meint, das alles sei ein Spiel, dass nur er gewinnen könne. Der Streit mit Kim Jong Un erinnert mich an zwei Kleinkinder im Sandkasten, die sich um ein Spielzeug streiten und mit Sand bewerfen. Man fragt sich, warum ein Viertel der Wahlberechtigten, das sind immerhin 60 Millionen Amerikaner, einem solchen Egomanen ihre Stimme gegeben haben; und noch schlimmer, warum 120 Millionen überhaupt nicht gewählt und damit dieses Desaster erst zugelassen haben! Kein Wunder, dass viele Menschen - und ich gehöre auch dazu - keine besonders hohe Meinung von den "Amis" haben.
Nachdem ich 2006 bereits Syrien einen ausgiebigen Besuch mit dem Motorrad abgestattet und die Syrer als überaus gastfreundlich und herzlich wahrgenommen hatte, soll es dieses Mal wieder in einen "Schurkenstaat" gehen. Ich bin nach dem Lesen vieler Reiseberichte ganz sicher, dass auch der Iran und seine Menschen mich positiv überraschen werden. Natürlich wird ein iranischer Stempel im Pass von den US-Behörden sanktioniert, man kann damit nicht mehr an dem vereinfachten Visa Waiver Programm teilnehmen und muss bei jedem USA-Besuch ein reguläres Visum beantragen. Aber das nehme ich in Kauf. Und sollte ich als Rentner dann doch noch die amerikanischen Nationalparks und Alaska besuchen oder gar meinen Traum vom Pacific Crest Trail verwirklichen wollen, dann brauche ich sowieso ein richtiges 180 Tage gültiges Visum.
Noch knapp 2 Wochen, dann geht es los. Da ich nur noch 2 Wochenende für die Vorbereitung habe, weil ich während der Woche in Hannover arbeiten bin, werde ich langsam doch etwas nervös, es gibt noch viel zu tun. Darüberhinaus bin ich vor 2 Tagen Urgroßvater geworden, da möchte ich mir den neuen Urenkel doch gerne noch kennenlernen.
Als eine für mich Laien sehr zeitaufwendige Vorbereitung hat sich das Thema Kommunikation herausgestellt. Ähnlich wie bei uns die Schurkenstaaten zum Gegner von Freiheit und Menschenrechten gebrandmarkt werden, versuchen sich diese umgekehrt auch gegen die Einflüsse von Kapitalismus und ungezügeltem Konsum einerseits sowie unerwünschter politischer und religiöser Einflußnahme andererseits abzuschirmen. Das kann von völligem Ausschluss der Nutzer vom Internet bis zu einer extremen Zensur durch Filtern des gesamten Internetverkehrs reichen. Auch das Herabsetzen der Übertragungsgeschwindigkeit ist ein  beliebtes Instrument, das etwa im Iran zusätzlich angewendet wird. Nach den Berichten von Iran-Reisenden soll es aber trotzdem möglich sein, über eine VPN-Verbindung auf die meisten Web-Adressen zugreifen zu können. Zwar werden die IP-Adressen von VPN-Anbietern nach Entdeckung durch das Filtersystem oft gesperrt, aber meist wechselt der Provider dann die Adresse, und der Zugriff klappt wieder. Auch in der Türkei gibt es inzwischen einen Wettlauf zwischen Zensur und findigen Usern, die auf Umwegen trotzdem alle gewünschten Infos aus dem Netz ziehen können.
Eine solche Zensur bietet durchaus auch Vorteile, etwa den Schutz gegen Angriffe jeglicher Art von außen. Man kann pornographische Seiten oder solche  mit pädophilen Hintergrund einfach sperren, Werbung blockieren oder das Darknet überwachen. Andererseits kann man dann kaum noch von Informationsfreiheit sprechen, andere bestimmen darüber, welche Informationen wir erhalten. Aber seien wir mal ehrlich, eine solche Informationsfreiheit gibt es auch bei uns schon lange nicht mehr. Wer bei GOOGLE nach einem bestimmten Begriff sucht, der bekommt das, was Dr.Google ihm präsentieren will. Und das hat ganz viel mit Geld zu tun. Wer z.B. nach einer Lebensversicherung sucht, bekommt die Versicherungen auf der ersten Seite angezeigt, die pro Klick im Internet am meisten zahlen. Ich arbeite momentan bei einer Versicherung und war selbst ganz überrascht, dass hier für die Anzeige und den Aufruf des Versicherungs-Links zweistellige Eurobeträge über den Tisch gehen! Wohlgemerkt pro Klick im Internet! Dass ein solcher Konzern wie Google in Deutschland trotzdem so gut wie keine Steuern bezahlen muss, ist für mich schlichtweg unbegreiflich. Aber wir Deutschen lieben ja keine Experimente, also werden wohl auch diesen Herbst dieselben Politiker wiedergewählt werden, die in der Vergangenheit schon soviel angerichtet haben.
Briefwahl ist bequem
Zurück zur Internetfreiheit; die größte Freiheit hat man wohl, wenn man im Urlaub schlicht ganz auf die Kommunikation mit daheim verzichtet. In meiner Jugend war das Standard: die Postkarten kamen erst nach Wochen zuhause an, da war man selbst schon längst wieder zurück, und Telefonieren ohne Smartphone war teuer und umständlich. Aber niemand hatte damals das Gefühl, etwas zu vermissen. Ganz im Gegenteil, die Verabschiedung und der Empfang waren herzlicher, und man hatte ganz viel Neues zu erzählen. Heute haben die Daheimgebliebenen schon alles im Blog oder Facebook mitgelesen, Bilder gesehen und die Nachricht "ich bin gleich zuhause" auf Whatsapp empfangen. Was ist besser?
Trotzdem, wenn es die Möglichkeit zur Kommunikation gibt, warum soll man sie nicht nutzen. Die meisten VPN-Anbieter wollen ihre Dienste über einen längeren Zeitraum verkaufen, je kürzer, desto teurer. Über ein solches Abo hatte ich auch nachgedacht, bin aber dann doch davon abgekommen. Stattdessen habe ich versucht, mir auf dem Smartphone und meinem Reisecomputer eine VPN-Verbindung zur Fritzbox daheim einzurichten. VPN ist die Abkürzung für Virtual Private Network, eine Art Privatleitung, auf die Andere nicht zugreifen können. Dazu braucht es auf Empfänger- und Sender-Seite zwei unterschiedliche IP-Adressen, über die die beiden Partner ansprechbar sind, sowie ein Verfahren zur Anmeldung und gegenseitigen Berechtigungsvergabe. Die Daten selbst werden dann verschlüsselt übertragen. Klingt einfach, ist es eigentlich auch, aber der Teufel steckt wie immer im Detail. Die Fritzbox daheim wird nämlich bei den meisten Providern einmal täglich vom Netz getrennt und wieder angemeldet. Nach dieser Zwangstrennung erhält sie eine neue IP-Adresse, unter der sie ansprechbar ist. Man müsste also bei der VPN-Verbindung täglich eine neue Konfiguration erstellen, und vor allem müsste man die neue Adresse der Fritzbox von daheim irgendwie mitgeteilt bekommen. In der Praxis ist das nicht realisierbar. Abhilfe schaffen sogenannte DYNDNS-Adresse, die es von manchen Anbietern auch kostenlos gibt. Man bekommt eine feste DYNDNS-Adresse, die man bei der Konfiguration des VPN-Tunnels benutzt und die immer gleich bleibt. Die Fritzbox wiederum schickt bei jeder Zwangstrennung z.B. durch die Telekom die geänderte IP-Adresse an den DYNDNS-Provider, wo sie mit der festen DYNDNS-Adresse gematched wird. Eine zweite Möglichkeit ist die Anlage eine MyFritz-Kontos bei AVM. Dieses dürfte auf Dauer kostenlos bleiben und macht letztendlich nichts anderes auch. Die mit MyFritz erzeugte Zufalls-Adresse wird fest in der Fritzbox gespeichert. Nun muss man dort noch VPN-User anlegen und kann dann die Daten auslesen, die man zum Einrichten des VPN-Tunnels braucht.
In meinem Android-Smartphone musste ich für die Konfiguration des VPN lediglich Einstellungen, weitere Einstellungen und VPN drücken und die Daten aus der Fritzbox verwenden. Startet man dann die VPN-Verbindung, sieht man auf dem Handy das Schlüsselsymbol. In der Fritzbox wiederum wird die bestehende VPN-Verbindung unter Internet xxxx mit einem grünen Punkt angezeigt. Ob man wirklich ins eigene Netz daheim kommt, kann man mit dem Aufruf der Fritzbox daheim testen. Hat man dann MyFritz und FritzFon als App auf dem Smartphone installiert, kann man sich über VPN an die eigene Fritzbox anmelden und mit der Festnetznummer daheim zu den dort gültigen Tarifen jeden Anruf tätigen, auch vom Ausland aus. Bin ich also in der Türkei im Wlan eines Hotels, kann ich dann über VPN und meine Fritzbox daheim meine Kinder kostenlos anrufen , und sie sehen auf dem Display unsere Festnetznummer daheim. Mit MagentaEINS der Telekom sind ja auch Mobilfunknummer kostenlos. Ausprobiert habe ich das bereits, scheint zu klappen. Ob das auch im Iran mit den geringen Übertragungsgeschwindigkeiten funktionieren wird, das sehe ich erst dort. Gegenüber Whatsapp hat diese Methode den Vorteil dass ich wirklich jeden anrufen kann, nicht nur diejenigen, die Whatsapp haben.   

Sonntag, 6. August 2017

ein deutscher Sommer


Sommer  2017 in Mainz
So sah es diesen Sommer eigentlich immer aus. Sonne, Wolken, Regen, ständiger Wechsel zwischen Hitze und Kälte; mir war es recht, solange ich noch jede Woche nach Hannover zum Arbeiten fahren muss. Unseren Sommerurlaub in Bayern konnten Ulli und ich zum Glück noch ohne Kosten verkürzen, nachdem der Wetterbericht Dauerregen angesagt hatte. So blieb mir mehr Zeit für die Vorbereitungen meiner Reise.
Carnet Deckblatt
Am Samstag klingelte der Postbote und brachte nach nur 10 Tagen Bearbeitungszeit schon das Carnet vom ADAC. Das hat ja super geklappt. Gültig ab 09.September, einem Tag vor meiner geplanten Einreise in den Iran. So ein Carnet besteht aus dem Deckblatt, 25 Seiten für eben so viele Grenzübertritte, und eine Verbleibsbescheinigung. Kommt man an die Grenze, stempelt der Beamte bei der Einreise auf einem Blatt den Teil ganz oben links und den letzten Teil ganz unten ab. Letzterer wird bei der Einreise abgerissen und verbleibt beim Zoll. Bei der Ausreise wird dann auf dem obersten Teil rechts abgestempelt, und der zweite Teil verbleibt abgestempelt und unterschrieben beim Zoll. Jedes Land hat damit einen Zettel für die Einreise und einen für die Ausreise an der jeweiligen Grenzstation, man selbst hat den Ein- und Ausreisestempel im Carnet. Man sollte tunlichst darauf achten, dass die Grenzbeamten das auch genauso handhaben, sonst kann nicht nur die Kaution beim ADAC flöten gehen, sondern noch wesentlich mehr.
Carnet Blatt 1
Von einem Geburtstags-Gutschein besorgte ich mir beim örtlichen Buchhandel ein Bildwörterbuch Persisch-Deutsch. Zugegeben, das Teil wiegt über 600 g, aber da ich ja allein reise und kein Farsi spreche, muss es sein. Gesehen hatte ich so etwas zum ersten Mal bei Hartmut in der Mongolei. Das Tolle: unter dem Bild steht nicht nur der deutsche Begriff, sondern dasselbe auch auf Farsi, und die Lautschrift ist auch noch darunter. Benzin heißt auch auf Farsi "benzin", die Gitarre "gitar-e akostik" und der Gaskocher "gaz pikniki"; na also, das scheint ja gar nicht so schwer zu sein.
rund ums Mopped
und beim Campen
4 Wochen vor meiner Abreise hat sich nun auch endgültig geklärt, ob ich ganz alleine im Iran unterwegs sein werde oder darauf hoffen kann, dort auf bekannte Gesichter zu treffen. Wie ihr ja weiter unten lesen konntet, wollten ursprünglich mal 10 Interessierte mit. Helmut erschien eine solche Gruppe zu groß, er schloss sich mit Martina und Hartmut zusammen, um in kleiner Gruppe unterwegs zu sein. Sie suchten nach einem Direkttransport der Motorräder in den Iran, was sich aber nicht realisieren ließ. Die Gruppe um Marco wiederum hatte sich angesichts der Verhältnisse in der Türkei entschlossen, den Hin- und Rücktransport der Mopeds über Tiflis (Georgien) abzuwickeln. Bei ihnen sprang aber einer nach dem Andern aus familiären wie auch anderen Gründen ab, so dass Marco schließlich die ganze Tour für dieses Jahr abblasen musste. Ich war dann schon darauf eingestellt, als Einziger unterwegs zu sein, als Hartmut mir vor wenigen Tagen sagte, dass er, Martina und Helmut ihre Motorräder nun auch über Tiflis transportieren lassen würden und sogar noch länger dort unterwegs sein wollten wie ich. Sie fliegen bereits Ende August nach Tiflis und wollen dann über Aserbeidschan ans Kaspische Meer im Iran. Da ich für die Anreise rund 1 1/2 Wochen brauche, werden sie ein ganzes Stück vor mir herfahren. Allerdings wollen sie einige Tage nach Teheran, das ich auslassen möchte. Und auch Mashad steht auf ihrem Programm, während ich schon vorher nach Süden in die Wüste abbiegen will. Ihr Rückflug ab Tiflis ist wohl nur ein oder zwei Tage nach meinem, so dass ich guter Hoffnung bin, sie im zweiten Teil meiner Reise öfter mal zu Gesicht zu bekommen. Leider ist es ja mit der Verständigung im Iran nicht so einfach, ein Anruf übers deutsche Netz kostet gleich 3 Euro. Aber gefreut habe ich mich auf jeden Fall sehr.

Dienstag, 25. Juli 2017

Visum und Carnet

Während  Ulli und ich ein paar entspannte Tage in den bayrischen Alpen verbrachten, lief mein Antrag für das iranische Visum.  Leider wird einem das mit der erforderlichen Referenznummer und der Angabe einer Anschrift im Iran nicht gerade einfach gemacht, zumal Reservierungssysteme wie booking.com oder HRS kein Angebot für den Iran haben und die iranischen Hotels eher selten auf emails antworten. Wie schon beim Russland-Visum versuchte ich es daher auch dieses Mal über die Visa-Agentur von König Tours, und es klappte alles zu meiner Zufriedenheit innerhalb der angegebenen 15 Arbeitstage. Inklusive Referenznummer kostete das Visum dort 110 €, dazu kamen noch einmal 6 € für den Rückversand als Einschreiben. Vorsichtshalber hatte ich noch für 25 € zusätzlich eine Reisebestätigung gebucht, was mir die Angabe eines Hotels im Iran ersparte. 141 € sind natürlich eine ganze Menge Geld für so einen Stempel, aber das relativiert sich ja dadurch, dass der Iran dieses Mal das einzige Land  auf meiner Reise ist, für das ein Visum notwendig ist. In München soll das Visum angeblich auch ohne Referenznummer zu bekommen sein, da hätte ich es wohl auch auf eigene Faust versucht.
Kaum aus dem Kurzurlaub zurück, hielt ich meinen Pass mit dem Visum in Händen und konnte das Carnet beim ADAC beantragen. Früher hatte ich das schon in München und Frankfurt ohne Probleme gemacht. Den Antrag kann man sich beim ADAC online herunterladen, da stehen dann auch Informationen über die Gebühren und die zu hinterlegende Kaution.  In der Preisgruppe 1 sind für meine KTM immerhin auch schon 3000 € Kaution fällig mit einem Zeitwert von bis zu 7500 €. Wäre ich mit dem Jeep Wrangler gefahren, wären es aber schon 30000 € Kaution gewesen, also das Zehnfache, zuzüglich der 210 € Gebühren für ADAC Mitglieder. Die Zeiten, als man sich für kleines Geld eine Bankbürgschaft für die Kaution besorgen konnte, sind auch langsam vorbei;  entweder werden unverschämte Zinsen verlangt, oder die Bank bietet das gleich gar nicht mehr an. Besonders wichtig ist das Ablesen der Motornummer, denn die steht nicht in den Fahrzeugpapieren. Manche Grenzbeamten sind da sehr akribisch, und wehe, die Nummer stimmt nicht mit der im Carnet überein.
Als ich nach Zahlung der 3210 € den Antrag beim ADAC in Mainz abgeben wollte, konnte der erste Mitarbeiter an der Information mit dem Begriff "Carnet" schon mal nichts anfangen. Bravo, das ging ja gut los. Der nächste wusste dann zwar, was ein Carnet ist, meinte aber, Mainz sei dafür nicht zuständig. In München und Frankfurt war gerade niemand erreichbar, den er fragen konnte. So gingen wir noch einmal gemeinsam durch das Formular, ich unterschrieb, und er schickte alles zusammen nach München. Hoffentlich geht das gut. Von Hause aus bin ich ja manchmal Pessimist, nachdem ich in den letzten Jahren öfters mal die "A....karte" gezogen hatte, andere aber unbehelligt davon kamen. Vielleicht sollte ich in einigen Tagen mal beim ADAC anrufen und nachfragen ...... 
Kaution für Carnet de Passage
Das Shit-Wetter diese Woche hatte uns ja dazu bewogen, unseren München-Aufenthalt nach einer schönen Woche in den Alpen und dem Wochenende in Salzburg zu verkürzen. So habe ich ein wenig Luft, meine Reisevorbereitungen zu treffen. Der Kurzaufenthalt in Salzburg hat mir wieder einmal klar gemacht, wie wenig sozial und bürgergerecht unsere eigenen Regierungen aller Couleur agieren. Nicht nur, dass man in Österreich glatt 20 Cent weniger für den Sprit bezahlen muss, die bei uns der Finanzminister zusätzlich einstreicht, auch als Rentner bekommt man bei gleichem Lohn und gleicher Lebensarbeitsleistung 40 Prozent mehr an Rente ausgezahlt als bei uns. Wie geht das, frage ich mich da natürlich?
Mal angenommen, ein Deutscher arbeitet in Hamburg für ein Jahresbruttogehalt von 52000 €, so bekommt der nach Erreichen des gesetzlichen Rentenalters 2211 € Rente, soweit er nicht noch privat vorgesorgt hat. Ein Österreicher mit 49000 € Jahresbrutto , also etwas weniger, erhält aber 2956 € Rente im Monat, und das nicht nur 12 x wie bei uns, sondern 14 x, weil es in der Alpenrepublik auch Weihnachts- und Urlaubsgeld für Rentner gibt, was letztlich einer Monatsrente von rund 3500 € brutto entspricht. 2211 gegen 3500 Euro, wie kann das sein? Ein wichtiger Unterschied: in Österreich bezahlen alle ins System ein, also auch Selbständige und Beamte. Wenn dort einer mehr verdient, muss er  auch mehr einzahlen. Die Auszahlung ist jedoch auf maximal 4980 € im Monat brutto begrenzt, da bekommen also "die Reichen" eventuell weniger raus als sie eingezahlt haben. Zweiter Unterschied:  bei uns bezahlen Arbeitnehmer und Arbeitgeber jeweils die Hälfte von 18,7 % des Bruttolohnes an die Rentenkasse, also jeder 9,35 %. In Österreich bezahlt der Arbeitnehmer  10,25 %, also 0,9 % mehr als sein deutscher Kollege; der Arbeitgeber jedoch bezahlt 12,55 % in die Rentenkasse, also 3,2 % mehr als der deutsche Unternehmer. Offenbar florieren die österreichischen Unternehmen trotzdem, es wäre also auch bei uns machbar. Nur gibt es bei uns keine Regierungspartei, die der Wirtschaft auch nur irgendwo einen Euro wegnehmen will. Kein Wunder, gehen doch Politiker, die Wirtschaftsbosse und bekannte Persönlichkeiten aus Film und Fernsehen alle in dieselben Locations und reden mehr miteinander als mit ihren Bürgern oder Angestellten. Jeder "arbeitslose Politiker" findet sofort einen Job in der Wirtschaft, da kann er vorher angestellt haben, was er will. Auch bei uns Bürgern gibt es keine Proteste mehr gegen das soziale Ungleichgewicht wie in meiner Studentenzeit. Vielmehr will heute jeder selbst die Karriereleiter nach oben klettern, selbst die Schüler laufen schon gestylt und im Sakko herum, alle passen sich an. Mehr als 28 % aller 20 - 29-Jährigen glauben, dass sie aus eigener Kraft in ihrem Leben Millionär werden können! Dafür leben sie. Furchtbar! Und umso mehr ein Grund, öfter mal die eigenen engen Grenzen zu verlassen und in Nah und Fern neue und ganz andere Erfahrungen zu sammeln. Geld kann man nicht essen, man kann sich dafür nur Dinge kaufen. Aber Erlebnisse und Erfahrungen kann man nicht kaufen, genauso wenig wie man echte Liebe im Puff kaufen kann.     

Mittwoch, 14. Juni 2017

Alpentour mit Karl und Franz

voller Vorfreude
Nach mehreren Versuchen ging es dieses Jahr auf unserer Alpentour wirklich in die Dolomiten. Trotz schlechter Wettervorhersage erreichte ich das erste Übernachtungsziel in Lermoos trocken, während meine Mitfahrer eine Dusche abbekamen. Am nächsten Morgen verlängerten wir das Frühstück einfach wegen des Dauerregens und wurden belohnt. Nur wenige Regentropfen erreichten uns zwischen den vielen Wohnwagen am Fernpass. Beim nächsten Mal würden wir das Hahntennjoch als Alternative nutzen.

Reschensee
Über das Pitztal und den Pillerberg ging es zum Reschenpass, danach zum Umbrailpass. Franz und Karl verpassten natürlich die Abfahrt und fuhren über den Ofenpass nach Bormio, während ich nach langem Warten auf die Beiden noch zum Stilfser Joch auf 2780 m hoch fuhr. Ein paar Sonnenstrahlen und jede Menge Schnee erfreuten ganze Heerscharen von Motorrad- und Rad-Fahrern. In Bormio dann wieder leichter Regen, so dass ich schon mal auf den Gavia-Pass hinauffuhr.
Schneereste
Stilfser Joch Auffahrt
am Gavia Pass
Gavia Abfahrt
alte Herren brauchen manchmal länger
Inzwischen zwar vollständig asphaltiert, aber immer noch relativ wenig frequentiert. Kaum im Tal angelangt, geht es schon wieder über den Passo del Tonale. Leider musste ich danach tanken: nach 1,20 Euro in Österreich tun die 1,65 Euro in Italien schon weh. Hinter Mezzana ging es dann irgendwann links hinauf nach Pracorno, wo wir eine günstige Unterkunft gebucht hatten, und auch die beiden Anderen kamen rechtzeitig zum Abendessen an.

Karersee
Sella Pass
Am dritten Fahrtag ging es erst mal über den Mendelpass nach Bozen, dann weiter zum Karersee mit dem Rosengarten. Über Sellapass und Grödnerjoch gelangten wir von Canazei zu unserem Zielort Badia Abtei mit einem phantastischen Hotel. Nachdem Karl der Weg zum nächsten Restaurant zu weit war - das Hotel hatte Ruhetag -, lieh uns der Wirt kurzerhand einen Wagen fürs Abendessen, während unsere Moppeds sicher in der Tiefgarage standen.
Karl beim Relaxen
... und als unser Chauffeur















Am nächsten ein toller Blick aus unseren Zimmern auf die Berge. Karl wollte einen Ruhetag einlegen, also fuhren Franz und ich über das Pordoijoch nach Canazei, leider schon wieder bei Regen. Eigentlich wollten wir über den Fedaiapass nach Cortina d'Ampezzo und über den Falzarego Pass zurück, aber der Fedaia war ausgerechnet in dieser Woche komplett gesperrt. So mussten wir wieder auf demselben Weg zurück nach Arabba und bei starkem Regen ins Hotel, um uns dort unter der heißen Dusche wieder aufzuwärmen. Karl hatte alles richtig gemacht, und bei einem Aperol wurde die Tour des nächsten Tages geplant.

Grödner Joch
Val Gardena
Penser Joch
Timmelsjoch
mein Baujahr 1954
Silvretta Stausee 

am Pillerberg gab es auf der Hinfahrt noch Lehm und Rutscherei
böhse moppedz
Da ging es dann über das Grödnerjoch und St.Ulrich ins Eisacktal, um bei Barbiano gleich wieder auf einer super kleinen Strasse hoch nach Lengstein und Ritten zu fahren. Nach einem Apfelstrudel ging es weiter zum Penserjoch, um kurz hinter Sterzing gleich wieder auf den Jaufenpass zu klettern. Kaum unten ging es auf schmaler Strasse hinauf zum Timmelsjoch. Statt Sonnenschein wurde es nach dem Tunnel plötzlich kalt und fing sogar leicht an zu schneien.So hielten wir uns gar nicht lange auf, sondern fuhren auf schnellstem Weg durch das Ötztal Richtung Inntal. Nicht ohne vorher noch einmal 14 Euro Maut für die österreichische Pass-Strasse abzudrücken. Franz machte dann mal wieder Bekanntschaft mit der Polizei, kam aber mit 35 Euro glimpflich davon. Über das Pitztal und den Pillerberg ging es zu unserem Hotel in Fendels, keine gute Wahl leider. Eher Jugendherberge als Hotel, aber immerhin bekamen wir noch etwas zu Essen im Nachbarhotel.






Am sechsten Tag mussten wir durch Landeck, was sich wieder mal ziemlich hinzog. Gestresst verpassten Karl und Franz dann den Abzweig ins Paznauntal, Franz drehte dann aber später um, während Karl über den Arlberg fuhr. Hinter Ischgl und Galtür  waren für die Silvretta-Hochalpenstrasse wieder 12 Euro fällig. Ich weiß gar nicht, warum sich ausgerechnet die Österreicher über unsere Mautpläne beschweren. Karl stieß dann von der anderen Seite wieder zu uns, und gemeinsam fuhren wir hinter Bludenz ins Große Walsertal. Über Faschina und Au ging es noch Dornbirn und dann am Nordufer des Bodensees bis Meersburg, dort dann mit der Fähre nach Konstanz und am linken Rheinufer bis zu unserem Hotel bei Stein. Die Preise in der Schweiz waren heftig, statt 20 Euro waren nun 40 Euro für eine Flasche Wein fällig. Aber wie sagte Franz: "wir sind ja im Urlaub, das gönnen wir uns." 
Rheinfall bei Schaffhausen
Ballon des Vosges

Blick aus dem Hotel in St.Hippolyte
Den Rheinfall von Schaffhausen hatte ich das letzte Mal vor 40 Jahren gesehen, er ist immer noch beeindruckend. Auf der deutschen Seite gelangten wir bis Weil am Rhein, wo es nach Frankreich hinüber ging. Über Altkirch gelangten wir nach Cernay, wo die Route de Cretes beginnt. Diese phantastische Motorradstrecke führt immer auf etwa 1000 m Höhe bis zum Col du Bonhomme. Weiter auf kleinen Strässchen erwischte uns wieder voll ein Gewitter, bevor wir in St.Hippolyte in unser schon vom letzten Jahr bekannten Hotel eincheckten. Im Hubsa Pfannala gab es leckere Käseaufläufe und guten Wein.
Haut Koenigsbourg
Der letzte Tag führte noch einmal auf kleinen Strassen über Le Hohwald und Wasselone nach Haguenau, von wo aus auf guter Strasse schnell Landau und Mainz erreicht waren. Kurz geduscht, und schon waren Ulli und ich auf dem Weg zum 8.Symphoniekonzert im Mainzer Großen Haus, wo u.a. Tzimon Barto das 2.Konzert für Klavier und Orchester von Sergej Rachmaninow spielte. Ende einer tollen Woche.

Tracks: Tag1 Tag2 Tag3 Tag4 Tag5 Tag6 Tag7 Tag8


eine tolle Alpentour !
Die KTM hat mit Koffern immer noch deutlich unter 4 l verbraucht, sollte also mindestens 300 km Reichweite auch beladen haben. Einzig meine Schuhe müssen verbessert werden, die waren ständig naß. Die Reifen nutzten sich relativ flott ab, vor allem vorne. Bei nassem Belag kam ich einige Male ins Rutschen. Sahara 3 werden es daher wohl nicht mehr werden. Die Mitas hatte ich ja bestellt, aber immer noch nicht das Geld zurück bekommen. Vielleicht doch die Heidenau K60 ?

Freitag, 26. Mai 2017

B wie "betrogen" .....

Damit ich am Ende nicht in Zeitnot gerate, hatte ich mir schon Anfang Mai einen Satz neuer Reifen bestellt. MITAS E-09 sollten es werden, wegen der Haltbarkeit und Robustheit der Reifen. Die Reifenfreigabe für meine KTM besagt, dass ich vorne und hinten jeweils mindestens Geschwindigkeitsindex S brauche, also 54S und 70S, aber T wäre natürlich auch möglich.
Reifenfreigabe vom MITAS
Auf meiner Suche im Internet landete ich schließlich bei ReifenLeader. Bestellt und per Sofortüberweisung bezahlt, 2 Tage sollte es dauern, und Rückgaberecht gäbe es auch. Am nächsten Tag eine email, der Käufer wäre verpflichtet, die Ware zu prüfen, ob sie auch mit dem bestellten Artikel übereinstimmt. Da wurde ich schon stutzig ..... Es stellte sich heraus, dass ReifenLeader gar nicht wie gedacht in Deutschland sitzt, sondern in Andorra. Die bestellen dann einfach bei dem günstigsten Händler weiter, und deshalb kamen mein Vorderreifen und der Hinterreifen auch getrennt voneinander an. Da ich ja nur am Wochenende die Ware in Empfang nehmen kann, bestellte ich den Vorderreifen nach dem ersten Zustellungsversuch in einen Paketshop. Dort dann die Bestätigung meiner Befürchtungen: ich hatte zwar den teuren 54T bezahlt, aber dort lag nur der 54R. Annahme verweigert, und versucht den Support von Reifenleader zu erreichen. Natürlich nur wochentags möglich, aber man konnte immerhin ein Ticket zum Fall aufmachen. Ich beschrieb die Situation und wollte das Ticket abschicken, aber ohne Beweis-Foto ging das nicht. Also zurück zum Paketshop, noch einmal den Vorderreifen abgelichtet, dann konnte ich das Ticket auf die Reise schicken. Nach einigen Tagen kam die Entschuldigung, man werde das Geld zurück überweisen. Inzwischen sind weitere 2 Wochen vergangen, immer noch kein Geldeingang von Reifenleader.

der falsche Vorderreifen 54R 
Vielleicht wollen die noch auf den Hinterreifen warten? Der sollte einige Tage später kommen. Ich konnte ihn allerdings nicht in einen Paketshop umleiten, persönliche Übernahme war gefordert. Also bestellte ich ihn wieder einen Samstag später und wartete. Natürlich vergebens. Am nächsten Montag war ein Zettel drin, der Reifen sei zugestellt. Wo: Dietz. Niemand wohnt hier mit so einem Namen, es meldete sich auch niemand. Ein Anruf bei DPD kostet unverschämt viel Geld, also wieder ein Ticket aufmachen. Es stellte sich heraus, dass die Zustellung den Vorderreifen betraf, der wäre wieder nach Dietz zurück gegangen. Also bestellte ich mir den Hinterreifen erneut für diesen Freitag, den Brückentag, an dem ich ausnahmsweise daheim arbeitete.
Hinterreifen 70R
Am Nachmittag kam der Paketbote mit dem Reifen und wir suchten gemeinsam nach dem Geschwindigkeitsindex-Kennzeichen. Auf dem aufgeklebten Zettel waren ausgerechnet diese Informationen unleserlich. Schließlich quittierte ich den Empfang, der Paketwagen wollte nicht ewig warten. Ich riss die Folie herunter, und siehe da, wieder der falsche Reifen mit "70R" statt "70S". Zum Glück konnte ich den Paketfahrer noch erreichen, er warf den Reifen hinten rein, und ich schickte die Fotos mit einem neuen Ticket zu ReifenLeader. Ob ich mein Geld von denen jemals wieder bekomme, kann ich nur hoffen. Aber eines weiß ich mit Gewissheit: bei ReifenLeader werde ich nie wieder etwas bestellen, und ich kann nur alle warnen, wenn sie nicht ähnliche Erfahrungen machen wollen. Da wird zwar das Geld kassiert, aber alle Arbeit und Verantwortung an den Kunden weiter gegeben.

Bestellung bei ReifenLeader
Ähnlich betrogen fühle ich mich auch vom Finanzamt, nachdem ich letzte Woche einen Brief von ihnen bekam, dass meine Unterlagen zur Einkommensteuerklärung 2016 an das Finanzamt Hannover-Mitte weitergeleitet worden wären, weil dieses jetzt für mich zuständig sei. Da schrillten bei mir sämtliche Alarmglocken, denn zuständig ist das Finanzamt, in dessen Bezirk der Lebensmittelpunkt des Steuerzahlers liegt. Lebensmittelpunkt Hannover würde für mich bedeuten, dass ich keinen doppelten Haushalt und Heimfahrten geltend machen könnte. Und das, obwohl ich in Hannover gar keinen Wohnsitz habe, sondern im Hotel wohne, meine Kinder und Enkelkinder in der Nähe von Mainz wohnen, und ich schon seit 8 Jahren mit meiner Lebensgefährtin zusammen eine Wohnung in Mainz bewohne und zur Hälfte bezahle. Natürlich habe ich das den beiden Finanzämtern ausführlich dargelegt und auch darauf hingewiesen, dass ich im Jahr 2016 lediglich  157 mal in Hannover geschlafen hätte, aber 209 mal eben nicht! Meine ganzen Arzt- und Behörden-Besuche erledige ich daheim im Urlaub oder an Gleittagen. Ob das allerdings bei den Sachbearbeitern dort auch gehört wird, da habe ich so meine Zweifel. Das ärgert mich besonders, weil wir Steuerzahler diese Beamten letztlich für ihre Arbeit bezahlen. Ein wenig gesunder Menschenverstand, und schon würden viele Probleme gar nicht erst entstehen. So hatte ich einige schlaflose Nächte, denn dabei geht es nicht nur um 130 Euro wie bei den Reifen oben, sondern um einige tausend. Wenn die wirklich auf stur schalten, muss ich notfalls vor ein Gericht. Dabei wollte ich im Alter doch alles ruhiger angehen!
Neben diesen beiden negativen Punkten gab es kürzlich aber auch gute Nachrichten. Mit 57% der Wählerstimmen hat sich der alte und neue Präsident Hassan Rohani klar gegen den radikal-konservativen Hardliner Ebrahim Raisi durchgesetzt. Das wird sicher keine neuen Pforten öffnen, man kann aber davon ausgehen, dass das relativ entspannte Verhältnis Touristen gegenüber im Iran erhalten bleibt. Natürlich weiß man nie, was die nächsten Wochen und Monate bringen, Trump ist immer für einen Schuss aus der Hüfte gut.
am Kleinen St. Bernhard
Noch eine Woche Arbeiten in Hannover, dann mache ich mit den Alpenmasters wieder die jährliche Motorradtour in die Berge. Nachdem wir die letzten Male wegen des schlechten Wetter immer in den Westalpen waren, geht es nun endlich in die Dolomiten. Leider  nur zu dritt dieses Mal, Helmut ist mit seiner Firma beschäftigt. Das gibt die Generalprobe für die Iranreise.       
Franz kann nach Fahrverbot in der Schweiz wieder lachen

Mittwoch, 19. April 2017

'A' wie ........

Ankara: das Referendum ist gelaufen, die Türken haben sich entschieden, und zwar mit äußerst knapper Mehrheit für Erdogan's Pläne eines Präsidialsystems. Zwar kann ich nicht verstehen, wie Bürger ohne Not freiwillig auf ihre demokratischen Rechte verzichten wollen, andererseits hätte Erdogan mit Sicherheit keine Ruhe gegeben, bis er seine Vorstellungen umgesetzt hat, ob jetzt mit Neuwahlen oder einem neuen Referendum. So kann jetzt wenigstens wieder etwas Ruhe einkehren, soweit dies angesichts der Hälfte der Wähler, die dagegen waren, möglich ist.
Enttäuscht bin ich von den in Deutschland lebenden Türken mit doppelter sowie rein türkischer Staatsbürgerschaft, von denen zwei Drittel pro Erdogan waren. Sich im demokratischen Deutschland ein schönes Leben zu machen und gutes Geld zu verdienen, dann aber in der Türkei die andere Seite zu wählen, das passt in meinen Augen nicht zusammen. Den Hammer finde ich allerdings die Tatsache, dass Türken mit doppelter Staatsbürgerschaft auch in Deutschland noch einmal zur Wahl im September gehen und damit gleich zweimal ihrer Stimme Ausdruck geben dürfen, während wir deutschen Wähler nur eine Stimme haben. Wenn ich zu entscheiden hätte, gäbe es wieder das schon einmal bestehende Einstaatenprinzip, nach dem der deutsche Pass zurückgegeben werden muss, wenn noch eine andere Staatsbürgerschaft existiert. Nur Türken mit deutschem Pass sollten gleiche Rechte und Unterstützung wie die Deutschen bekommen. Wer den türkischen Pass behalten will, bekommt dann etwa das Kindergeld nur noch in Höhe des in der Türkei ausbezahlten Kindergeldes, das sind pro Kind und Monat lediglich 10 Euro. Sich überall die Rosinen herauszupicken hat dann ein Ende, und wer denkt, dass es Erdogan besser macht, sollte auch gleich wieder zu ihm zurückgehen. Übrigens: ich wähle nicht AfD, also stellt mich nicht gleich in diese Ecke! Leider gibt es keine wählbare Partei, in der ich mich wiederfinde, die Antworten der Politiker auf den Brexit, die Flüchtlingskrise, die AfD oder Erdogan waren durch die Bank erbärmlich.
Inwieweit meine Planung und die Reiseroute in der Türkei durch das Ergebnis in der Türkei beeinflusst werden, können erst die nächsten Wochen und Monate zeigen. Ich hoffe, die zerfahrene Beziehung entspannt sich wieder , und Deutsche sind wieder so willkommen in der Türkei wie in der Vergangenheit. Auch im Iran wird übrigens im Mai gewählt, man kann nur hoffen, dass die Hardliner nicht die Oberhand gewinnen.  


Armut: vergangenen Monat gab es den Armutsbericht der Bundesregierung. Eine Schande, dass man über die einzelnen Formulierungen erst mal ein halbes Jahr feilschen musste, obwohl doch unbestreitbar ist, dass die Superreichen politisch einen viel größeren Einfluß haben als der Rest der Bevölkerung. Jedoch die CDU/CSU wollte das nicht im Bericht stehen haben. So ist die Anzahl derjenigen, die weniger als 60 % des durchschnittlichen Einkommens erhalten, in Deutschland auf 15,7 % oder 12,9 Millionen Menschen gestiegen. Jeder kennt sie, die Flaschensammler, die jeden Mülleimer auf der Suche nach Essensresten und Pfandflaschen durchwühlen. Sie sind nur die Spitze des Eisbergs. So stieg die Armutsquote bei Rentnern von 2005 bis 2015 von 10,7 auf 15,9 %, bei Alleinerziehenden beträgt sie 44 % und bei Erwerbslosen sogar 59 %. Die Schere zwischen Arm und Reich klafft immer weiter auseinander; während die ärmeren 40 Prozent der Deutschen in den letzten 20 Jahren einen Reallohnverlust von 7 % hinnehmen musste, werden die Reichen immer reicher. Die obersten 10 Prozent besitzen die Hälfte des deutschen Nettovermögens, während es die unteren 50 Prozent nur auf 1 % bringen. Frau Merkel und ihre Partei fördern diesen Trend weiter, aber der wichtigste Trendsetter war der SPD-Kanzler Schröder mit seiner Agenda 2010 und dem Verzicht auf Vermögens- und Reichen-Steuer.
Besonders krass ist dieser Armutsbericht auch deshalb, weil Deutschland mit einer Abgabenlast von durchschnittlich 49,4 % an zweiter Stelle aller OECD-Staaten steht, nur die Belgier müssen noch mehr bezahlen. Frankreich kommt auf etwa 40 % Abgaben, und die Neuseeländischen Familien können bis auf 6,2 Prozent alles für sich ausgeben. Geld sollte also genug dasein, aber das braucht man ja für Bankenrettungen, Wirtschaftsförderung und völlig unsinnige Militäraktionen wie in Afghanistan oder Mali. Kein Wunder, dass sich Unzufriedenheit und Zukunftsangst für AfD oder Front National auszahlen.


Andrea: mit Freude habe ich in einer Mail von Andrea gelesen, dass sie, Marco, Erwin, Marina und Peter nun doch in den Iran reisen werden, und das auch noch in einem Zeitfenster, das meinem recht nahe kommt. Sie lassen ihre Maschinen ebenfalls von West-East-Travel nach Tiflis bringen und fliegen von dort auch wieder nach Hause. Da hoffe ich doch, dass wir uns im Iran auch irgendwo treffen und vielleicht sogar ein Stück gemeinsam reisen können.


Amerika: Am Wochenende fliegt Jörg, mit dem ich schon zweimal in Südamerika war, zu seinem Motorrad nach Halifax, um damit bis zum Herbst die USA und Kanada zu bereisen. So etwas habe ich ja für mein Rentnerleben auch noch geplant, allerdings wohl eher mit dem Jeep.
die Alternative zum Motorrad: Jeep Wrangler
Für alle, die so neugierig auf seine Reiseberichte sind wie ich, habe ich seinen Blog rechts unten verlinkt. Das wird bestimmt eine tolle Reise!



Montag, 10. April 2017

Ausweis & Co

Mit unserem Personalausweis läßt es sich in der EU wunderbar reisen, viele fernere Länder wollen aber einen Reisepass sehen. Im Iran darf dieser keinen israelischen Stempel enthalten und muss noch 6 Monate gültig sein, um erfolgreich ein Visum beantragen zu können. Bei mir kein Problem, ansonsten gibt es die Möglichkeit eines zweiten Passes. Der kann später auch eine Einreise in die USA einfacher machen, wenn man ein iranisches Visum im Pass hat. Mein Zweitpass ist leider schon eine geraume Zeit abgelaufen, und nur wegen des Iran-Visums lohnt sich der Aufwand nicht.
Neben dem Pass brauchen Reisende mit eigenem Fahrzeug oft auch einen internationalen Zulassungsschein. Dieser grüne Ausweis enthält auf der letzten Seite rechts alle Daten des Fahrzeugs, während man links dazu die Bezeichnungen in verschiedenen Sprachen daneben legen kann. Eine Hilfe für manche Grenzbeamte, die so einen Ausweis auch durchaus mal auf den Kopf gestellt ansehen. Außerdem wird der internationale Führerschein verlangt, den es in 2 Ausführungen gibt. Der dünnere graue Ausweis gemäß Übereinkommen vom 8.November 1968 enthält ein Foto, die jeweiligen Fahrerlaubnisklassen und ist 3 Jahre in fast allen Ländern gültig. Fast, den in manchen Ländern wie Ägypten, Chile, Argentinien oder Peru ist nur der internationale Führerschein gemäß Abkommen vom 24.April 1926 gültig. Und der ist nur ein Jahr ab Ausstellung gültig. Angeblich will auch die Türkei diesen sehen, während der Iran wiederum den anderen will. Nach Informationen im Internet braucht man in der Türkei aber überhaupt keinen internationalen Führerschein. Ich habe mich letztlich entschieden, mir den normalen internationalen Führerschein für 3 Jahre zu holen. Gekostet hat er bei der Zulassungsstelle 15 Euro, dazu noch 10,80 Euro für den Internationalen Zulassungsschein.

Eine Reise ist immer ein guter Anlass, seinen Impfschutz mal wieder aufzufrischen. Bei mir waren Tetanus, Diphterie, Keuchhusten und Polio überfällig, das zahlt jede Krankenkasse. Für den Impfstoff gegen Hepatitis A+B sowie Tollwut musste ich in der Apotheke knapp 150 Euro hinlegen, dazu kamen noch einmal 30 Euro beim Arzt für die Impfungen selbst. Normalerweise übernimmt die Techniker Krankenkasse solche für die Reise notwendigen Impfungen im Gegensatz zur DAK, bei der ich früher Mitglied war. Den Antrag habe ich gestellt, mal sehen ...        
Nachtrag: inzwischen muss man 10% der Impfmittel zuzahlen, die restlichen 90% sowie Beratungskosten und die Impfung selbst werden von der TK ohne Probleme übernommen.