Samstag, 7. Oktober 2017

Tbilisi Tag (Tbilisoba)

Ganz unerwartet war heute der Tbilisi Tag, ein riesengroßes Happening hauptsächlich am Meidan. Normalerweise ist der erst Ende des Monats, aber wegen irgendwelcher Wahlen wurde er vorgezogen. Das Wetter spielte mit, es gab keine Wolken und hatte im Schatten angenehme 23°C. Ihr könnt euch gar nicht vorstellen, wie viele Menschen da unterwegs waren. Ich ging dieses Mal auf der anderen Seite des Flusses entlang, unterhalb des Präsidentenpalastes. Am Rike Park gab es viele Sportaktivitäten: da waren die Basketballer mit wilden Sprüngen, die Gymnastikabteilung der Bodenturner machte eine Vorführung, es wurde Trampolin gesprungen, und zwar wie im Wettbewerb, es gab eine Kampfgruppe mit musikalischer Begleitung, und ... und ... und. Daneben gab es Stände verschiedener Länder wie etwa Griechenland, Sofia, Italien oder Russland mit hübsch zurecht gemachten Menschen drin. Auch einheimische Folklore wurde geboten, und auf der Metehki Brücke gab es eine Auto- und Motorradausstellung. Auto-Bild war übrigens dabei, mit äußerst hübschen Mädchen. Es gab aber auch Oldtimer wie etwa einen Wanderer oder einen alten Opel, sonst waren es mehr russische Modelle. Husquarna war auch mit schönen Enduros vertreten. Eine Show-Bühne gab es auch, da traten 5 Männer mit gemeinsamen Gesang auf, die Menschen kannten jedes Lied. Später gab es dort Disco, da tanzte vor allem das Jungvolk mit. Überall wurden Haarkränze aus Blumen geflochten, die die Menschen aufhatten. Und alles stand unter einer großen Dampfwolke von den vielen Garküchen. Ein phantastischer Anblick, ich konnte mich gar nicht satt sehen.
Danach ging ich noch zur Metehki Kirche, wo eine Hochzeit nach der anderen stattfand. In einer anderen Kirche zuvor war ich mitten in eine Beerdigung geraten. Das alles stört aber hier keinen, sofern man die Kleiderordnung beachtet. Dann marschierte ich den Berg hoch zum Narikala Fort und der Statue Kartlis Deda und setzte mich dort mit tollem Blick auf Tbilisi eine Zeitlang in die Sonne. Als die Sonne tiefer stand, ging ich noch etwas essen und marschierte dann langsam zum Guesthouse. Meine letzten 30 Gels (georgische  Laris) behielt ich noch für den Transport zum Flughafen, der Rest wurde rausgehauen. Ich bin wirklich hoch zufrieden mit dem Guesthouse Near Opera; die Familie mit 2 Söhnen ist furchtbar nett, jetzt sitze ich auch wieder mit einem Tee und Keksen am Blog und warte auf den Transport, den dann der Vater macht. Die meisten Gäste mieten sich gleich für eine ganze Woche ein und machen dann von hier aus Ausflugsfahrten. Einige sprechen auch deutsch, wie heute morgen eine  junge Frau von der Krim, die in Zürich lebt und arbeitet und hier mit Freund und ihren Eltern Urlaub macht.
Flohmarkt am Samstag
eines von vielen Bildern
der Bildermarkt, da findet man jedes Motiv
Garküchen erzeugen ganz schön viel Dampf
der rechts konnte sogar deutsch: "ich liebe dich" mit Kuss auf die Backe!
der Trommelverein gibt eine Vorstellung
Basketballkünstler
Trampolin
wie bei uns auch .....
hier kommen viele Schachweltmeister her
Bodenturner
Folklore aus Georgien
hier auch ....
eine Gruppe Stockkämpfer
und die Musik dazu

Bild
damit die Frauen auch etwas zum Anschauen haben
für Männer gab es aber mehr zum Gucken
hier die Repräsentantin für Bulgarien

... und hier für Griechenland
eine Braut mit ihren Freundinnen
Autoschau auf der Metehki-Brücke
eine russische Luxuskarosse
und Auto-Bild war dabei mit zwei hübschen Mädels
Blick auf Tbilisi mit der Peace Bridge
Kartlis Deda
ein Felsen am Fort Narikala
Metehki Bridge
zum Abschluss wird noch mal getanzt

Freitag, 6. Oktober 2017

Verladung

Dank Hartmuts Beschreibung war es kein Problem, die Verladestation Lilo 1 zu finden. Die Beiden warteten schon davor, und bald kamen auch die Neuankömmlinge aus Deutschland, deren Africa Twin RD4 erst mal aus der Transportkiste raus musste, bevor Martinas Moped reingestellt werden konnte. Das dauerte dann doch eine ganze Weile. Meine Alukisten stellte ich in Martinas Box, den Helm auch, und dann wurde alles verschraubt. Leider war für mein Motorrad ja keine Kiste mehr da, deshalb wurde die KTM erst mal auf einer Palette festgezurrt. Formulare und Schlüssel übergeben, dann waren wir fertig.
Martina und Hartmut fliegen ja schon morgen und sind deshalb aus ihrer Luxusherberge in ein Hotel am Flughafen umgezogen, wo auch die Neuankömmlinge wohnten. Wir fuhren zu dritt mit dem Taxi und der Metro in die Stadt zurück, wo wir uns verabschiedeten. Ich musste erst mal meine Motorradklamotten gegen normale Kleidung tauschen, und die Beiden wollten sich noch verschiedenes ansehen. Nach einer kurzen Pause wackelte ich dann auch los zur Old Town. Irgendein englischer Fußballklub muss da heute gegen Tiflis spielen, die Engländer waren alle in roten T-Shirts und sangen lautstark ihre Lieder und tranken ordentlich Bier.  Ich mag solche Gruppen nicht, das Stadtbild wird völlig verändert. Nach einem Spaziergang an den Hügeln kehrte ich schließlich im Cafe Theatre zum Abendessen ein. Kaum hatte ich WLAN, rief Lana an und wollte wissen, wie sie mir die Motorradschlüssel zurückgeben könne, die bräuchten sie nämlich nicht. Da ich ihr das nicht beschreiben konnte, ging ich zum Guesthouse zurück und ließ den Besitzer Lana den Weg erklären. Während ich auf sie wartete, wurde mir Wodka angeboten, den trinken hier alle reichlich. Vorsichtshalber ist er in einer Wasserflasche, da sieht das nicht nach Alkohol aus. Die Georgier aus Berlin kamen auch von ihrem Ausflug zurück, sie waren heute in Kachetien an der Südseite des Kaukasus. Heute war ja blauer Himmel, und die Berge seien alle weiß gewesen, sie waren ganz zufrieden. Und dann kam endlich Lana und brachte mir die Schlüssel, so dass ich mich zum Blog schreiben zurückziehen konnte.
die Africa Twin musste erst mal raus
mangels Kiste kam meine erst mal auf eine Palette
Engländer in Massen grölen und saufen
Anchiskhati Basilica
irgendwo war eine Hochzeit
da kamen die wohl auch her
eine einzige bescheidene Moschee in Tiflis
oberhalb des Meidan
Tanzgruppe
... und die Musik dazu

Donnerstag, 5. Oktober 2017

Endstation Tbilisi

Das Essen in Georgien ist schon mal vorzüglich, und günstig ist es auch. Hartmut hatte mir schon angekündigt, dass Lana vom hiesigen Transportunternehmen nichts von mir wüsste, und Slava, bei dem ich gebucht hatte, ist gerade auf Tour irgendwo in Kirgisistan. Heute morgen rief ich bei Lana an, und sie wusste tatsächlich nichts. Momentan hätten sie auch keine Transportkiste frei, ich müsste als warten, bis eine Kiste aus Deutschland zurückkäme. Zum Glück ist Winterhalbjahr, da bin ich nicht so erpicht darauf, gleich wieder aufs Mopped zu steigen. Auf ein paar Wochen mehr oder weniger kommt es jetzt auch nicht an. Zumindest haben wir jetzt ausgemacht, dass ich die KTM morgen um 11 Uhr zur Verladestelle hinbringe. Dort wird sie dann erst mal auf eine Palette gestellt und bei nächster Gelegenheit dann in eine Kiste verpackt. Vorher muss ich aber noch umpacken und zumindest den größten Dreck entfernen. Z um Glück war das im Guesthouse kein Problem, ich bekam einen Schlauch und machte 2 Stunden lang den gröbsten Dreck weg. Anschließend versuchte ich die beiden Aluboxen voll zu machen, so dass ich den ganzen Rest in meine gelbe Ortlieb-Tasche für den Flug einpacken konnte. Zum Glück soll das Wetter besser werden, da werde ich morgen wohl trocken zur Verladestation Lilo 1 kommen.
Nach der Arbeit schlenderte ich noch durch die Old Town von Tbilisi. Zum Teil sind die Häuser schon stark dem Verfall hingegeben, aber sie haben einen morbiden Charme. Auf der anderen Seite gibt es immer wieder moderne Neubauten, bei denen man nicht weiß, ob man sie bewundern oder sie einfach nur hässlich finden soll. Abends war ich dann noch bei Martina und Hartmut in ihrem Luxus-Hotel Rooms. Wirklich sehr nobel, aber eigentlich vermisse ich in meinem Guesthouse nichts bis auf ein gutes Frühstück. Nach einem Drink zogen wir dann ins Restaurant gegenüber und zahlten das Dreifache von gestern. Luxus hat eben seinen Preis. Morgen treffen wir uns um 11 Uhr bei Lilo 1 , und eventuell kann ich bei Martina sogar noch meine restlichen Sachen in die Kiste stecken. Dann wäre nur noch mein Motorrad ein paar Wochen da, und da kann man nicht viel abschrauben oder klauen.
Old Town
morbider Charme
unten Meidan, oben das Narikala Fort
oben der Präsidenten-Palast, unten Konzerthalle und Exhibition Center
Peace Bridge über den Mtkvari Fluss
Clock Tower
Kunst am Clock Tower

Mittwoch, 4. Oktober 2017

von Vardzia nach Tbilisi

Die Oma musste mich zum Frühstück rufen, sonst hätte ich beinahe verschlafen. Draußen war Nebel, also zog ich mir noch zusätzlich eine Jacke an. Kaum war ich fertig mit Bepacken, wurde der Himmel blau, so dass ich die Jacke erst mal wieder verstauen musste.
Zunächst fuhr ich die paar Kilometer zurück nach Vardzia, um mir die Höhlenstadt anzusehen. König Giorgi III. baute im 12. Jh. an dieser Stelle eine Befestigung, und seine Tochter, Königin Tamar, errichtete hier ein Höhlen-Kloster, in dem etwa 2000 Mönche lebten. Es gab insgesamt 400 Räume auf 13 Stockwerke verteilt, 13 Kirchen und 15 Weinkeller. 1283 sprengte ein Erdbeben viele Außenmauern der Höhlen weg. Inzwischen sind wieder einige Höhlen von Mönchen bewohnt. In der Kirche waren Fotos nicht gestattet, aber ansonsten war der Gang durch die Höhlen recht eindrucksvoll. Die Tunnel am Ende waren für mich allerdings zu niedrig, ich schrammte mir einige Male ganz ordentlich den Kopf an. Eine Gruppe polnischer Biker zeltete unterhalb der Höhlen am Ufer des Mtkvari. Für mich ging es dann immer den Mtkvari entlang mit teils toller Kulisse nach Akhaltsikhe, vorbei an einer Burg aus dem 10. bis 14.Jh. in Khertvisi. Danach fuhr ich durch den Borjomi-Kharagauli-Nationalpark, in dem es noch Wölfe und Braunbären gibt. Auf dem Fluss Kura kann man sogar Rafting machen, der Ort Borjomi ähnelt einem unserer Wintersportorte in den Alpen. Leider fing es bald danach an zu regnen. Die letzten 100 km meiner Reise waren dann gute Autobahn, auf der ich schnell nach Tbilisi kam. Die Oper fand ich dann schnell, aber das Guesthouse Near the Opera zu finden war nicht so einfach. Sie hatten noch ein Zimmer frei, gebucht hatte ich ja erst ab morgen. Zum Abendessen hatte ich mich dann mit Martina und Hartmut verabredet, da gab es viel zu erzählen. Helmut war heute morgen schon nach München geflogen. Wenn jetzt der Rücktransport noch klappt, war das rundherum ein gelungener Urlaub.  (Track34)
Oma mit Enkel
nicht mehr ganz frisch, die KTM
aber sie läuft und läuft ....
einer der vielen Kirchen
rechts unten in der Flussbiegung war das Camp der polnischen Biker
rechts eine riesige Höhlenkirche mit vielen Fresken an den Wänden
gegenüber der Weg gestern Abend ins Tal
eine Höhlenwohnung mit Sitzbänken
die Polen hatten die letzten 5 Tage Regen
noch einmal dieselbe Perspektive von gestern bei Sonnenschein
wildes Tal des Mtkvari
Fort aus dem 10.Jh. in Khertvisi
kleine Pause vor altem Gemäuer
trotz Kälte ziemlicher Andrang im Borjomi-Kharagauli-Nationalpark
der Fluss Kura
es hat ja lang gedauert, aber zumindest Martina und Hartmut habe ich dann doch noch gefunden